Walker Evans

* 3.November 1903 in Saint Louis, Missouri; † 10.April 1975 in New Haven, Connecticut

Walker Evans

war ein US-amerikanischer Fotograf. Evans wuchs in einer wohlhabenden Familie auf und besuchte unter anderem die private Loomis Chaffee School in Windsor. Früh entwickelte er ein ausgeprägtes literarisches Interesse und unternahm 1926 eine Reise nach Paris, um sich auf eine Schriftstellerkarriere vorzubereiten. In Paris schrieb er sich an der Université Sorbonne ein. Seine Studien galten den Werken von Gustave Flaubert und Charles Baudelaire, während er außerdem mit dem Werk von James Joyce sehr vertraut war. Evans hielt sich für ein Jahr in Paris auf und bewegte sich dort in den Literaten- und Künstlerkreisen.

Zurück in den Vereinigten Staaten gab Evans den Berufswunsch des Schriftstellers auf und widmete sich ab 1928 als Autodidakt der Fotografie. Vertraut mit den Arbeiten des Bauhauses und der Russischen Avantgarde verfolgte er einen grafisch abstrahierenden, konstruktivistischen Stil. Seine Motive fand er vornehmlich in New York. Seine Serie der Brooklyn-Brücke wurde 1929 in dem Gedichtband The Bridge von Hart Crane veröffentlicht. Evans hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seinen Stil verändert. Er fotografierte auf 35-mm-Filmen das Leben auf den Straßen New Yorks. Aufgrund seiner prekären finanziellen Lage war Evans nachts berufstätig und fotografierte tagsüber. Seine Frau finanzierte die Miete der gemeinsamen Wohnung.

 

Im selben Jahr lernte Walker Evans den ebenfalls literarisch interessierten Lincoln Kirstein kennen, Herausgeber der Zeitschrift Hound & Horn. Über ihn lernte er Berenice Abbott kennen, bei der er erstmals Originale von Eugène Atget sah. Kirstein initiierte 1929 Evans’ erste Ausstellungsbeteiligung (mit Margaret Bourke-White und Ralph Steiner) im Museum of Modern Art, New York. Evans’ Auseinandersetzung mit dem Werk von Walter Benjamin mündete in einem von ihm verfassten Artikel in Hound & Horn. Hier wird deutlich, dass er auch die deutsche Neue Sachlichkeit kannte und mit dem Werk der deutschen Fotografen AlbertRenger-Patzsch und Augfust Sander vertraut war. Kirstein regte Evans an, sich mit den großen amerikanischen Dokumentaristen Mathew B. Brady und Lewis Hine zu beschäftigen, um ihm schließlich ein dokumentarisches Projekt vorzuschlagen. Zu einem von Kirstein geplanten Buch über die im Verschwinden begriffene viktorianische Architektur in Neu-England fotografierte Walker Evans 1931 typische Beispiele dieses historischen Baustils. Nach der Arbeit im Kleinbild setzte er hierzu erstmals eine geliehene Großformat-Kamera ein. Im Rahmen dieser Arbeit entwickelte Evans seinen „dokumentarischen Stil“ (documentary style). Er bildete die Gebäude weitgehend frontal ab, ohne stilistische Zuspitzungen (frontaler Zugang zur Wirklichkeit), und wählte ihm geeignet erscheinende Lichtbedingungen, mit denen Konturen betont werden können. Er legte Wert darauf, sich von der reinen Dokumentation (er nennt die Tatort-Fotografie der Polizei als Beispiel) abzugrenzen und verstand sich als Künstler.

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